Montag, 6. Januar 2014

Berührungsangst




Ein Strich, er nannte sich Tangente,
berührte einen Kreis ganz sanft.
Doch dieser hasste Komplimente
und reagierte sehr verkrampft.
Was schwer verwundert, die Sekante
durchdrang ihn förmlich und er nannte
sie – nein – nicht Tante sondern Nichte.
Das ist das Ende der Geschichte.

Samstag, 4. Januar 2014

Par-Abel

Paradam war Parevas Mann,
sie liebten sich, doch spät erst dann,
kam klein Parabel auf die Welt.
Was mir so sehr daran gefällt,
es war die Eisprungmathematik
im Paradiese schon in Praktik.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Morgengedanken




Des Schnabeltieres Mundpartie
erinnert  fraglos irgendwie
an einer Ente Löffellippe.
Ich sitze da, sinniere, nippe
am Kräutertee, bin seltsam froh
und denke mir, das ist halt so.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Klostersuppe




Ich möchte gern im Klostergarten
auf eine süße Nonne warten
und dann mit ihr Gebete sprechen.
Sie würde ihr Gelübde brechen,
sich in der Zelle dann entkleiden,
mit mir, es wär nicht zu vermeiden,
noch vor der Zeit der Abendmessen
ein Häferl Klostersuppe essen.
Drum möchte ich im Klostergarten,
so gern auf eine Nonne warten.

Glücksbringer für die Tante




Der Fliegenpilz, ein Glückssymbol,
wohl Schwein und Kleeblatt überlegen
als Überbringer für das Wohl
im Jahreslauf und dessentwegen
Genuss und wahrer Neujahrssegen.

Statt Schweinebraten schenkte ich
ein rohes Stück des Tupfenpilzes
der Tante. Doch recht wunderlich,
nach Hüpfart eines Rumpelstilzes
benahm sie sich. Ein Stück des Filzes

von ihrem Kleid im Sabbermund
hing einer Zunge gleich zur Erde.
Ich wage schüchtern den Befund,
der irre Blick, die Wahngebärde
sind gut geeignet für Beschwerde.

2014, ein besonderes Jahr




Ich schaue heute ohne Arg in den Spiegel – und eine optisch-physikalische Unmöglichkeit blickt mir entgegen. Ein Fremder, ein vom Alter gezeichnetes Gesicht gibt sich als meines aus. Und wie ein Menetekel  - König Belšazars Mahnung war harmlos dagegen – bilden meine Stirnfalten einen Schriftzug, eigentlich einen Ziffernzug. 70 steht da in Tiefgravur, einfach die Zahl 70. Babylon mochte erzittern, ich erschauere.
70, ich bin doch weit entfernt, dieses biblische Alter erreicht zu haben, wenngleich meine Tränensäcke und die Wamme an meinem dünner werdenden Hals anderes vermuten lassen. Es kannsich da nur um einen Irrtum der fortgeschriebenen Zeitrechnung handeln, um einen verhängnisvollen Fehler eines Standesbeamten. Man liest ja häufig über Geburtsurkunden, die einer sorgfältigen Bearbeitung entbehren mussten. Kurz und gut, ich beschließe, 2014 den Spiegel zu meiden, mit dem im Tagestakt sich nähernden Geburtstag will mir das nicht so recht gelingen.

Der erste Tag im Jahr

Der erste Tag im neuen Jahr
fällt heuer in den Januar.
Das ist, gewendet und gedreht,
ein Fall von großer Rarität,
bestätigt der Kalenderkenner.
Gewöhnlich liegt der Tag im Jänner.