Montag, 25. November 2013

Feiner Unterschied




Die Kröte sitzt im Fensterschacht,
dort fiel sie einst hinunter.
Ein Umstand, der ihr Freude macht,
sie zeigt sich frisch und munter.

Fällt in den Schacht ein Mensch hinein
und knickt sich einen Knochen,
dann fühlt er sich ganz allgemein
nicht wohl und wirkt gebrochen.

Man sieht, ein Unterschied besteht,
ein kam erwähnenswerter,
denn, wenn es sich um Schächte dreht,
sind Kröten abgeklärter.

Sonntag, 24. November 2013

Es war die Nachtigall und nicht die Assel



Die Assel hatte einen Traum,
sie saß – und zwar auf einem Baum –
war eine Nachtigall und sang
so ungefähr drei Stunden lang.

Es war die Zeit, als ebenda
auch Romeo und Julia
die Liebeslieder hörten und
vermeinten, es wär Lerchenmund.

Die Assel freute sich nun sehr,
denn dass sie eine Lerche wär,
erreichte einmal nur ihr Ohr,
nicht nachher und auch nie zuvor.

Samstag, 23. November 2013

Ungeliebte Verwandtschaft




Die hat wohl nicht mehr alle Tassel
im Schrank, vermuten die Langusten.
Sie ist verrückt, die Kellerassel,
mit üblen Wirklichkeitsverlusten.

So ist es, sagte der alte Hummer,
bestätigt wird er von Garnelen.
Auch Krabben macht die Sache Kummer,
dass Asseln sich zu Krebsen zählen.

Der Landkrebs, hin- und hergerissen,
will keinen Krieg mit Vettern führen,
erklärt nun – wider bessres Wissen –
er sei verwandt mit Gürteltieren.

Freitag, 22. November 2013

Miniaturgürteltier

Gott erschuf das Gürteltier,
formte es – avec plaisir –
aus dem Schöpfungslehm, der Erde,
hoffend, dass es schön sein werde.

Streng in Platten unterteilt,
liegt der Kopf leicht eingekeilt,
doch geschützt durch Panzerringe.
Also ist es guter Dinge.

Schau, da liegt ja noch ein Rest
Matsch, der sich noch kneten lässt,
dachte Gott, erschuf die Assel,
selbst erbaut von diesem Massel.

Über die Verbreitung der Kellerassel



In München lebt die Kellerassel,
in Linz, New York und Lauterbach.
Sie wohnt in Regensburg und Kassel,
in Frankfurt dem Vernehmen nach.
Dass so ein Tier auch Augsburg liebt,
Venedig, Bregenz oder Bremen,
es dieses auch in Flensburg gibt,
ist unverfänglich anzunehmen.
Die Asseln – wie hier aufbereitet –
sind offensichtlich weit verbreitet.




Mittwoch, 20. November 2013

Ausgleichssport der Gämse




Tausend Meter überm Tal
gehen Gämsen gern spazieren,
wie gewohnt nur vertikal,
niemand will sich strapazieren.

Heute aber wollen sie
auf der flachen Wiese grasen.
Körpertraining irgendwie,
einmal darf der Herzschlag rasen.

Da die Weide eben ist,
zwingt Erschöpfung bald zum Rasten.
Schenkelhals und Widerrist
schmerzen, Zeit sie zu entlasten.

Seither meiden sie das Tal,
klettern - zu viel Sport ist fraglich -
einfach wieder vertikal.
Gämsen lieben es behaglich.