Freitag, 26. Dezember 2014

Der Geier ist mir nicht geheier




Ein Geier sitzt – und eigt ins Weite –
eif einem Ast, er sucht nach Beite,
die frischverstorben, also Aas ist,
weil er nur eisnahmsweise Gras frisst.
Ansonsten macht er sich‘s bequem,
doch hat er ein Diphthongproblem.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Untröstlicher Truthahn



 
Ein Truthahn sagt vor WeihnachtEN,
zu einer Gans: „Was machst du denn,
um diese Zeit der trauten Stille
zu überleben? Das Gekille
zum Fest des Friedens ist bedrohlich
und stimmt mich nicht besonders frohlich“.
Die Gans, nicht sehr genau betrachtet,
liegt schon gerupft und längst geschlachtet
vor diesem Puter, sagt kein Wort,
so geht der ungetröstet fort.


Samstag, 20. Dezember 2014

Edeltraud oder Wie der Weihnachtsmann Salzburg erobern konnte



Edeltraud, die Küchenschabe, saß auf einem Lebkuchen, dessen Honiggeruch sie auf den adventlich gerichteten Küchentisch gelockt hatte. Dieses Honiggebäck der pfefferkuchigsten Sorte war für das Schabenmädl ein Weihnachtsgeschenk der Extraklasse. Ja, wir sehen es schon, es geht um die Nacht vor dem Abend der Abende, als dies geschah.

Das Christkind hatte alle Hände (und Flügel) voll zu tun, denn Salzburg kannte für es (ja, es heißt für es) keinen Ersatz, keinen Knecht Ruprecht, keinen Weihnachtsmann und auch nicht Väterchen Frost. Land und Leute verließen sich einzig - verwunderlich in dieser christlichen Gegend - auf Kinderarbeit.

Kinderarbeit hin oder her, das Christkindl (so wird es auch genannt) wollte eben in dem Haus, in dem Edeltraud in völliger Dunkelheit sich über die an der Nussmitte gelegenen Teile des wohlriechenden Lebkuchens hermachte, den Christbaum zustellen. Für die Geschenke musste ein eigener, zweiter Anflug in Betracht gezogen werden, Baum und Geschenk – zu viel für schwache Kinderärmchen.

Es öffnete jedenfalls die Tür der Stube (wahrscheinlich eine Wohnküche) um die bereits geschmückte Tanne (Abies nordmanniana) abzustellen. In diesem Augenblick wurde das Zimmer in grelles, himmlisches Licht getaucht, was bei Menschen einen Vorgeschmack auf den Himmel gegeben hätte, bei der Schabe aber zu einem derartigen Schrecken führte, dass sie ein Patzerl (Fäzes) fallen ließ. Auf den Lebkuchen. Erst dann konnte sie nach Kakerlakenart das Weite suchen.

Was das alles mit dem Weihnachtsmann zu tun hat? Keine Bange, die Sache ist in wenigen Sätzen erläutert. Das Patzerl war mit pathogenen Keimen behaftet, die eine der Cholera ähnliche Dysenterie, also einen unbeschreiblich heftigen Durchfall beim Christkind hervorriefen. Beim Christkind? Ja, das naschte nämlich an bewusstem Herz (ausgerechnet am Herz, der Stern und der Halbmond wären bakterienfrei gewesen) – und fiel in der Folge für diese Saison gänzlich aus. Um es kurz zu machen, es rief den Weihnachtsmann zu Hilfe, die Bescherung musste ja flächendeckend fortgesetzt und beendet werden. Ja – und Santa ließ sich dann auch in den folgenden Jahren (begreiflich) nicht mehr aus dem Weihnachtsgeschäft drängen.

Das war die besinnliche - gegen Ende hin auch etwas unappetitliche -Weihnachtsgeschichte, die man seinen Kindern auf keinen Fall vorenthalten sollte.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Viele sind abergläubisch - ich bin es nicht





Aberglaube ist stärker als religiöse Überzeugung, es kann mich der Anschein aber trügen. Jedenfalls ist er weit verbreitet – und er ist ein Weltbürger. Rund um die Iglus ist er ebenso zu finden wie im Penthouse in Wien, im sudanesischen Dorf und in amerikanischen Großstädten. Bei uns - im aufgeklärten Europa - führt diese mentale Unterwerfung unter Glücks- und Unglücksboten und -künder zu höchst eigenartigen Verhaltensweisen, die einer gründlichen ethologischen Erforschung bedürften. Da gibt es tatsächlich Leute, die erhitztes Blei in kaltes Wasser schütten, um aus den verschiedenen Erstarrungsformen die Zukunft zu deuten. Erkennt man in dem entstandenen Klumpen zum Beispiel einen Sarg, so legt ein Funken Restverstand dies etwa als Goldbarren aus, der im folgenden Jahr Wohlstand ins Haus bringen wird – aber nein, viele erkennen darin den Herrn Maier vom Nachbarhaus, der es sich ewigruhlich bequem gemacht hat. Manche Bauern gehen so weit, dass sie ihre Zuchtschweine mit Hufeisen bewerfen. Hin und wieder wird dabei ein Rauchfangkehrer getroffen, den der Glückswerfer wohl mit einer schwarzen Wollsau verwechselt hat. Was bleibt über, als dann zum Trost und zur Heilung vierblättrigen Klee aufzulegen – dem Rauchfangkehrer, nicht dem Schwein. Schwarze Katzen, die von links nach rechts über die Straße laufen – manchmal auch von rechts nach links (besonders unheilschwanger) werden eingefangen und im besten und glücklichsten Fall für die Katze umgefärbt, etwa mit weißen Streifen zu einem Kleinstzebra verwandelt.
Nun, wie auch immer. Ich lasse mich von derart archetypischen Vorstellungen nicht beeinflussen, bin Voltaire, Hume und Kant verpflichtet und kann mich des Spottes über derartige geistige Rückständigkeit nicht erwehren.
Gut, ich reiße verärgert Geschirrtücher und andere Textilien von Aufhängevorrichtungen aller Art, denn, wie jeder weiß, darf über Silvester keine Wäsche zum Trocknen aufgehängt, ausgelegt (schon gar nicht auf dem Dachboden, im Keller, im Bügelraum, in der Küche und im Schlafzimmer) sein. Leitern liegen bei mir vorsorglich auch in der Garage auf dem Boden. Ein versehentliches  Durchgehen unter einem solchen Gerät wird dadurch verunmöglicht. Verunmöglicht ist übrigens ein Wort, dass auch nur Abergläubische als dem deutschen Sprachschatz entnommen empfinden. Die schwarze Katze des Nachbarn habe ich vorsichtshalber eingefangen und im Tierheim abgegeben. Dort soll sie ihr Unheil anrichten, dieses Untier. Ist mir egal. Knollenblätterpilze meide ich, Glücksbringer soll man nicht aufessen.
Wie gesagt, besonders zum Jahreswechsel hin, macht sich ein Mensch, der sich der Vernunft verschrieben hat, so seine Gedanken über Mitmenschen, die der Epoche der Aufklärung  durch die Maschen gefallen sind.

 

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Der Weißhandgibbon (oder Lar)




Es stammt (der schlanke) Weißhandgibbon
(des Reimes wegen) nicht aus Nippon.
Er turnt (auf Inseln) weiter südlich
(und westlich auch)ganz unermüdlich.
Er liebt Geklammer und Gehangel.
(An Klammern ist auch hier kein Mangel).